Eine Blutgasanalyse ist eine Messung aus wenigen Tropfen Blut, die dir pH-Wert, Kohlendioxid, Bicarbonat, Sauerstoff und Sauerstoffsättigung gleichzeitig zeigt. Normal sind nach der StatPearls-Übersicht zur arteriellen Blutgasanalyse ein pH von 7,35 bis 7,45, ein pCO2 von 35 bis 45 mmHg und ein Bicarbonat von 22 bis 26 mmol/l. Liest du diese drei Zahlen immer in derselben Reihenfolge, hat der Befund nach zwanzig Sekunden einen Namen.

Im Testat scheitert es selten am Wissen. Es scheitert an der Reihenfolge. Wer alle sechs Werte gleichzeitig anschaut, sieht ein Zahlenfeld. Wer sie nacheinander abarbeitet, sieht eine Diagnose.

Was zeigt eine Blutgasanalyse?

Das Gerät misst direkt nur drei Dinge: pH, Kohlendioxidpartialdruck und Sauerstoffpartialdruck. Bicarbonat und Basenabweichung rechnet es daraus aus. Die ersten Zeilen deines Ausdrucks sind also harte Messwerte, alles darunter ist abgeleitet.

Blut kommt dafür meist aus einer Arterie, seltener kapillar aus dem Ohrläppchen. Auf Station siehst du das zum ersten Mal oft in der Famulatur, wenn jemand auf der Intensivstation eine Spritze ins Blutgasgerät steckt und dreißig Sekunden später einen Streifen Papier in der Hand hält.

Die Blutgasanalyse ist kein Labortest unter vielen. Sie ist die schnellste Antwort auf die Frage, ob gerade die Atmung oder der Stoffwechsel entgleist.

Welche sechs Werte musst du kennen?

Sechs Zeilen reichen für den Anfang. Die Referenzbereiche unten stammen aus der StatPearls-Übersicht "Arterial Blood Gas Analysis" auf dem NCBI Bookshelf, die ausdrücklich anmerkt, dass die Grenzen zwischen Laboren und Altersgruppen leicht schwanken.

WertNormbereichWas er dir sagt
pH7,35 bis 7,45Richtung der Störung, Mittelwert 7,40
pCO235 bis 45 mmHgrespiratorischer Anteil, gesteuert von der Lunge
Bicarbonat22 bis 26 mmol/lmetabolischer Anteil, gesteuert von der Niere
Basenabweichungminus 4 bis plus 2Überschuss oder Defizit an Puffer
pO275 bis 100 mmHgOxygenierung, unabhängig vom Säure-Basen-Status
Sauerstoffsättigung95 bis 100 ProzentBeladung des Hämoglobins

Die Quelle gibt Bicarbonat in mEq/l an. Für ein einwertig geladenes Ion ist das derselbe Zahlenwert wie mmol/l, du kannst die Spalte also eins zu eins übernehmen.

Der pH-Korridor der Blutgasanalyse Unter einem pH von 7,35 liegt eine Azidose, zwischen 7,35 und 7,45 der Normbereich mit dem Mittelwert 7,40, über 7,45 eine Alkalose. Der pCO2 liegt normal bei 35 bis 45 mmHg, das Bicarbonat bei 22 bis 26 mmol/l. Erst der pH, dann alles andere Azidose Normbereich Alkalose 7,35 7,45 Mittel 7,40 pCO2 normal 35 bis 45 mmHg, Bicarbonat 22 bis 26 mmol/l
Referenzbereiche nach StatPearls, Arterial Blood Gas Analysis, NCBI Bookshelf, abgerufen am 29.09.2026.

Wie liest du eine Blutgasanalyse in vier Schritten?

Immer gleich, immer in dieser Reihenfolge. Die Reihenfolge ist wichtiger als das Tempo.

  1. pHUnter 7,35 liegt eine Azidose vor, über 7,45 eine Alkalose. Das ist die Richtung, an der du dich ab jetzt orientierst.
  2. pCO2Bewegt er sich gegenläufig zum pH, also hoher pCO2 bei niedrigem pH, ist die Störung respiratorisch.
  3. BicarbonatBewegt es sich gleichläufig zum pH, also niedriges Bicarbonat bei niedrigem pH, ist die Störung metabolisch.
  4. KompensationSchau, ob der jeweils andere Wert in die Gegenrichtung gewandert ist. Dann steuert der Körper bereits dagegen.

Den pO2 prüfst du getrennt. Er gehört zur Frage, ob genug Sauerstoff ankommt, und nicht zur Frage, ob das Blut zu sauer ist. Diese Trennung sparen sich viele in der Klausur und verlieren genau dort Punkte.

Woran erkennst du eine Kompensation?

Daran, dass der zweite Wert in die falsche Richtung zeigt. Bei einer metabolischen Azidose fällt das Bicarbonat, und die Atmung schafft Kohlendioxid weg, der pCO2 sinkt also mit. Der pH liegt dann irgendwo zwischen krank und normal.

Wichtig ist das Tempo. Die StatPearls-Übersicht zum Säure-Basen-Haushalt beschreibt, dass das respiratorische System den pH über das Abatmen von Kohlendioxid in Minuten bis Stunden korrigiert, während die Niere über Rückresorption von Bicarbonat und Ausscheidung fixer Säuren eher Tage braucht.

Tipp: Frag dich bei jeder Kompensation, wie lange die Störung schon läuft. Ein voll kompensierter Befund ist selten frisch, ein völlig unkompensierter selten alt.

Wozu dient die Anionenlücke?

Sie teilt die metabolische Azidose in zwei Gruppen. Die StatPearls-Übersicht zur Anionenlücke rechnet Natrium plus Kalium minus Chlorid minus Bicarbonat und gibt als Normbereich 4 bis 12 mmol/l an, abhängig von Phosphat und Albumin im Serum.

Ist die Lücke vergrößert, steckt eine zusätzliche Säure im Blut, etwa Laktat oder Ketonkörper. Ist sie normal, hat der Körper Bicarbonat verloren und dafür Chlorid behalten. Zwei völlig verschiedene Geschichten, eine Rechnung.

Vier Muster, die du im Schlaf können solltest

Respiratorische Azidose, respiratorische Alkalose, metabolische Azidose, metabolische Alkalose. Mehr Grundmuster gibt es nicht, alles andere sind Mischbilder davon.

ROME: Respiratory Opposite, Metabolic Equal

Bei einer respiratorischen Störung laufen pH und pCO2 auseinander. Bei einer metabolischen Störung laufen pH und Bicarbonat in dieselbe Richtung. Dieser eine Merksatz ersetzt die halbe Tabelle.

Wenn dir solche Merksätze liegen, findest du in Eselsbrücken für Medizin eine Sammlung für die übrigen Vorklinikfächer. Für die Kreislaufseite derselben Physiologie gibt es Herz-Kreislauf-Basics.

Wie übst du das fürs Testat und fürs Physikum?

Mit echten Befunden statt mit Definitionen. Das Learning Center der University of North Carolina at Chapel Hill beschreibt Selbsttesten als aktive Lernstrategie, die Intensität und Effizienz des Lernens erhöht. Auf die Blutgasanalyse übertragen heißt das: sechs Zahlen ansehen, Diagnose laut sagen, erst danach die Lösung aufdecken.

Zehn Befunde am Tag reichen. Wenn du sie über Wochen verteilt wiederholst, statt sie an einem Abend durchzuackern, bleibt das Muster hängen. Wie dieses Verteilen technisch funktioniert, steht in FSRS und Spaced Repetition. Und weil der Säure-Basen-Haushalt im Physikum zu den Dauergästen gehört, lohnt sich früher Aufbau doppelt: einmal fürs Testat, einmal für die Physikumsvorbereitung.

In der mündlichen Prüfung landet oft ein Ausdruck auf dem Tisch, den du laut interpretieren sollst. Wie du dabei ruhig bleibst, steht in Mündliche Prüfung in Medizin. Weitere Methoden für das Fächerlernen sammelt der Überblick zum Lernen im Medizinstudium.

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Häufige Fragen zur Blutgasanalyse

Wie unterscheidest du respiratorisch und metabolisch?

Über die Richtung des zweiten Werts. Läuft der pCO2 gegenläufig zum pH, ist die Störung respiratorisch. Läuft das Bicarbonat gleichläufig zum pH, ist sie metabolisch. Der pH sagt dir nur, ob es sauer oder basisch ist, nie woher es kommt.

Welche Normwerte gelten für pH, pCO2 und Bicarbonat?

Nach der StatPearls-Übersicht zur arteriellen Blutgasanalyse liegt der pH bei 7,35 bis 7,45, der pCO2 bei 35 bis 45 mmHg und das Bicarbonat bei 22 bis 26 mEq/l, also 22 bis 26 mmol/l. Die Quelle weist darauf hin, dass die Grenzen je nach Labor und Altersgruppe leicht abweichen.

Was sagt die Anionenlücke aus?

Sie trennt die metabolische Azidose mit zusätzlicher Säure von der mit Bicarbonatverlust. Berechnet wird Natrium plus Kalium minus Chlorid minus Bicarbonat, der angegebene Normbereich liegt bei 4 bis 12 mmol/l und hängt von Phosphat und Albumin im Serum ab.

Wie schnell kompensieren Lunge und Niere?

Unterschiedlich schnell. Das respiratorische System korrigiert den pH über das Abatmen von Kohlendioxid innerhalb von Minuten bis Stunden, die Niere braucht über Rückresorption von Bicarbonat und Ausscheidung fixer Säuren eher Tage. Deshalb verrät der Grad der Kompensation auch das ungefähre Alter einer Störung.

Wofür steht der pO2 in der Blutgasanalyse?

Für die Oxygenierung, nicht für den Säure-Basen-Status. Als Referenz nennt die StatPearls-Übersicht 75 bis 100 mmHg beim arteriellen Sauerstoffpartialdruck und 95 bis 100 Prozent bei der Sauerstoffsättigung. Beide Zeilen liest du getrennt von pH, pCO2 und Bicarbonat.

Quellen