Das Nephron ist die kleinste Funktionseinheit der Niere: ein Nierenkörperchen, das Blut filtert, und ein langes Röhrensystem, das aus diesem Filtrat Urin macht. Laut MSD Manual enthält jede Niere etwa eine Million davon. Wenn du das Nephron als einen einzigen Weg lernst, vom Glomerulus bis zum Sammelrohr, verstehst du fast die ganze Nierenphysiologie auf einmal.
Im Herbst 2026 gehörten 61 von 313 gewerteten Fragen zur Physiologie, und bundesweit wurden davon nur 60,3 Prozent richtig beantwortet, so die IMPP-Ergebnisinformation.
Key Takeaways
- Ein Weg, sechs Stationen. Glomerulus, Bowman-Kapsel, proximaler Tubulus, Henle-Schleife, distaler Tubulus und Sammelrohr. Lern sie in genau dieser Reihenfolge.
- Filtern ist billig, zurückholen ist Arbeit. Laut OpenStax entstehen bei Männern rund 180 Liter Filtrat am Tag, aber nur 1 bis 2 Liter Urin.
- Der proximale Tubulus macht das meiste. Etwa 67 Prozent von Wasser, Natrium und Kalium werden dort zurückgeholt, Glucose fast vollständig.
- Die Henle-Schleife baut den Gradienten. Der absteigende Teil lässt Wasser durch, der aufsteigende pumpt Salz und bleibt wasserdicht.
- Das Sammelrohr entscheidet am Ende. ADH baut Aquaporine ein, Aldosteron steuert die Natriumrückgewinnung.
Was ist ein Nephron genau?
Ein Nephron besteht aus zwei Teilen: dem Nierenkörperchen und dem Tubulus. Das Nierenkörperchen ist laut OpenStax ein Knäuel aus Kapillaren, der Glomerulus, umgeben von der Bowman-Kapsel. Der Tubulus ist das Röhrensystem dahinter, in dem das Filtrat Schritt für Schritt verändert wird, bis Urin daraus wird.
Der Glomerulus ist ein Hochdruck-Kapillarbett zwischen zuführender und abführender Arteriole. Um die Kapillaren legen sich Podozyten, Zellen mit fingerartigen Fortsätzen, zwischen denen schmale Filtrationsschlitze bleiben. Ihre Poren sind laut OpenStax nur etwa 70 Nanometer groß. Große Eiweiße und Blutzellen bleiben deshalb im Blut.
Wie das unter dem Mikroskop aussieht, übst du am besten zusammen mit unserem Artikel Histologie lernen, denn Glomeruli gehören zu den Schnittbildern, die du sofort erkennen solltest.
Wie ist ein Nephron aufgebaut?
Stell dir den Aufbau als Strecke vor, die das Filtrat abfährt. Jeder Abschnitt hat eine eigene Aufgabe.
| Abschnitt | Was dort passiert | Zahl zum Merken |
|---|---|---|
| Glomerulus mit Bowman-Kapsel | Filtration des Plasmas | 10 bis 20 Prozent des Plasmas werden filtriert |
| Proximaler Tubulus | Massive Rückresorption, Bürstensaum | etwa 67 Prozent von Wasser, Na und K |
| Henle-Schleife, absteigend | Wasser verlässt den Tubulus | bis zu 15 Prozent des Wassers |
| Henle-Schleife, aufsteigend | Na und Cl werden aktiv resorbiert, kein Wasser | Filtrat wird hypoosmotisch |
| Distaler Tubulus | Feinabstimmung | weitere 10 bis 15 Prozent des Wassers |
| Sammelrohr | Hormonell gesteuerte Endkontrolle | ADH und Aldosteron |
Die Zahlen stammen aus OpenStax, Kapitel 25.4 und 25.6.
Glomerulus, Bowman-Kapsel, proximaler Tubulus, Henle-Schleife, distaler Tubulus, Sammelrohr. Sechs Wörter, sechs Stationen, in der Reihenfolge, in der das Filtrat sie durchläuft.
Wie viel filtert die Niere am Tag?
Gesunde Nieren filtern bei Männern rund 125 Milliliter pro Minute, bei Frauen rund 105. Das ist die glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR. Laut OpenStax ergibt das etwa 180 Liter Filtrat am Tag bei Männern und 150 Liter bei Frauen. Ausgeschieden werden davon nur 1 bis 2 Liter, denn 99 Prozent kehren in den Kreislauf zurück.
Dieser Kontrast ist der Schlüssel zum ganzen Thema. Die Niere filtert erst großzügig fast alles ab und holt dann gezielt zurück, was der Körper braucht.
Warum filtert der Glomerulus überhaupt? Wegen des Drucks. OpenStax rechnet es so vor: Der Blutdruck in den Kapillaren liegt bei 55 mmHg. Dagegen drücken der Druck in der Kapsel mit 15 mmHg und der kolloidosmotische Druck des Blutes mit 30 mmHg. Übrig bleibt ein effektiver Filtrationsdruck von 10 mmHg.
Die Niere filtert fast alles ab und holt sich dann zurück, was sie braucht.
Was passiert im proximalen Tubulus?
Der proximale Tubulus ist der Arbeitsabschnitt des Nephrons. Laut OpenStax holt er etwa 67 Prozent von Wasser, Natrium und Kalium zurück und fast 100 Prozent der Glucose, der Aminosäuren und anderer organischer Stoffe wie Vitamine. Dafür hat er einen dichten Bürstensaum aus Mikrovilli, der die Oberfläche stark vergrößert.
Für Glucose gibt es eine Obergrenze, das Transportmaximum. OpenStax nennt etwa 375 Milligramm pro Minute bei Männern und 300 bei Frauen. Ist der Blutzucker so hoch, dass mehr Glucose ankommt, landet der Rest im Urin. So erklärt sich Zucker im Urin bei unbehandeltem Diabetes.
Wie funktioniert die Henle-Schleife?
Die Henle-Schleife baut im Nierenmark einen Salzgradienten auf, mit dem die Niere später Urin konzentrieren kann. Ihr absteigender Teil hat dauerhaft Aquaporine und lässt Wasser hinaus. Der aufsteigende Teil ist wasserdicht und pumpt Natrium und Chlorid aktiv heraus. Das Prinzip heißt Gegenstromprinzip.
Laut OpenStax steigt die Osmolarität entlang der Schleife von etwa 300 auf etwa 1200 mOsmol pro Kilogramm. Am Ende des aufsteigenden Teils ist das Filtrat dagegen hypoosmotisch, also verdünnter als Blut. Die Vasa recta, die Gefäße neben der Schleife, fließen langsam, damit sie diesen Gradienten nicht auswaschen.
Was machen distaler Tubulus und Sammelrohr?
Hier passiert die Feinabstimmung. Der distale Tubulus holt laut OpenStax weitere 10 bis 15 Prozent des Wassers zurück. An seinem Anfang liegt die Macula densa, eine Gruppe von Zellen, die die Zusammensetzung des Filtrats überwacht. Sie gehört zum juxtaglomerulären Apparat direkt neben dem Nierenkörperchen.
Im Sammelrohr wird es hormonell. ADH sorgt dafür, dass Aquaporine in die Zellwand eingebaut werden, dann strömt Wasser in das salzige Mark und der Urin wird konzentriert. Aldosteron steuert, wie viel Natrium zurückgeholt wird, und damit indirekt auch das Wasser. Wie die Niere zusätzlich den pH regelt, siehst du in unserem Artikel Blutgasanalyse interpretieren.
Wie lernst du das Nephron Schritt für Schritt?
Lern das Nephron als Geschichte eines Tropfens Plasma, nicht als Liste. Plane etwa eine Woche mit kurzen Einheiten ein.
- Weg zeichnenSkizziere Nierenkörperchen, Tubulus und Sammelrohr aus dem Kopf, bis die Reihenfolge ohne Nachdenken klappt.
- Eine Funktion pro StationSchreib an jeden Abschnitt genau einen Satz, was dort passiert.
- Zahlen dazuGFR 125 ml pro Minute, 180 Liter Filtrat, 1 bis 2 Liter Urin, 67 Prozent im proximalen Tubulus.
- Hormone einordnenADH und Aldosteron an die richtige Stelle setzen und ihre Wirkung in einem Satz erklären.
- KarteikartenEine Karte pro Abschnitt, wiederholt mit Spaced Repetition nach FSRS.
- Fragen kreuzenErst wenn alles sitzt, Prüfungsfragen zur Niere üben.
Laut UNC Learning Center macht genau dieses Selbsttesten das Lernen intensiver und effizienter als bloßes Wiederlesen. Wie du das ganze Fach so aufbaust, steht in Physiologie lernen. Weitere Merksprüche findest du in unseren Eselsbrücken für das Medizinstudium.
Typische Fehler beim Nephron
Der häufigste Fehler: die beiden Schenkel der Henle-Schleife verwechseln. Der aufsteigende ist wasserdicht, sonst ergibt das Gegenstromprinzip keinen Sinn.
Der zweite Fehler: ADH und Aldosteron verwechseln. ADH steuert Wasser direkt über Aquaporine, Aldosteron steuert Natrium.
Wo die Nierenphysiologie später im Beruf wieder auftaucht, zeigt dein-medizinstudium.de im Ratgeber Was ist ein Nephrologe. Welche Rolle die Vorklinik im Studium spielt, erklärt der Eintrag zur Vorklinik im ncrechner Lexikon, und wie das Erste Staatsexamen aufgebaut ist, steht unter Physikum. Den Plan bis zur Prüfung baust du mit unserem Artikel Physikum lernen.
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SlayMed kostenlos holenHäufige Fragen zum Nephron
Wie viele Nephrone hat eine Niere?
Laut MSD Manual enthält jede Niere etwa eine Million Nephrone. Jedes davon besteht aus einem Nierenkörperchen mit Glomerulus und Bowman-Kapsel und einem Tubulus, der das Filtrat weiterleitet. Mehrere Nephrone münden in ein gemeinsames Sammelrohr, das den fertigen Urin zum Nierenbecken führt.
Was ist die glomeruläre Filtrationsrate?
Die glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR, ist die Menge an Filtrat, die beide Nieren pro Minute bilden. Laut OpenStax liegt sie bei Männern bei etwa 125 Millilitern pro Minute und bei Frauen bei etwa 105. Das ergibt rund 180 bzw. 150 Liter Filtrat am Tag.
Warum ist der aufsteigende Teil der Henle-Schleife wasserdicht?
Ihm fehlen Aquaporine, also die Wasserkanäle. Er pumpt Natrium und Chlorid aktiv ins Nierenmark, Wasser kann aber nicht folgen. So entsteht im Mark ein hoher Salzgradient, den das Sammelrohr später nutzt, um Urin zu konzentrieren. Das Filtrat selbst wird dabei verdünnter als Blut.
Wo wird Glucose im Nephron zurückgeholt?
Glucose wird im proximalen Tubulus fast vollständig resorbiert. Laut OpenStax gibt es dafür ein Transportmaximum von etwa 375 Milligramm pro Minute bei Männern und 300 bei Frauen. Kommt mehr Glucose an, etwa bei sehr hohem Blutzucker, erscheint der Überschuss im Urin.
Wie lange brauche ich, um das Nephron zu lernen?
Plane etwa eine Woche mit kurzen täglichen Einheiten ein. Zuerst zeichnest du den Weg vom Glomerulus bis zum Sammelrohr, dann ordnest du jeder Station eine Funktion und eine Zahl zu. Danach wiederholst du mit Karteikarten und kreuzt Prüfungsfragen, bis die Abfolge ohne Nachdenken sitzt.
Quellen
- IMPP: Ergebnisinformation Erster Abschnitt Herbst 2026, Fachergebnisse (Physiologie 61 von 313 Aufgaben, 60,3 Prozent; abgerufen 07.10.2026): https://www.impp.de/pruefungen/medizin/ergebnisse
- MSD Manual Ausgabe für Patienten: Nieren (etwa 1 Million Nephrone pro Niere; abgerufen 07.10.2026): https://www.msdmanuals.com/de/heim/nierenerkrankungen/diagnose-von-nierenerkrankungen/nieren
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, Kapitel 25.4 Microscopic Anatomy of the Kidney (abgerufen 07.10.2026): https://openstax.org/books/anatomy-and-physiology-2e/pages/25-4-microscopic-anatomy-of-the-kidney
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, Kapitel 25.5 Physiology of Urine Formation (abgerufen 07.10.2026): https://openstax.org/books/anatomy-and-physiology-2e/pages/25-5-physiology-of-urine-formation
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, Kapitel 25.6 Tubular Reabsorption (abgerufen 07.10.2026): https://openstax.org/books/anatomy-and-physiology-2e/pages/25-6-tubular-reabsorption
- UNC Chapel Hill Learning Center: Study Smarter Not Harder (abgerufen 07.10.2026): https://learningcenter.unc.edu/tips-and-tools/studying-101-study-smarter-not-harder/