Das RAAS-System ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, eine Hormonkaskade, mit der die Niere einen sinkenden Blutdruck wieder anhebt. Fällt der Druck, schüttet die Niere Renin aus. Am Ende stehen Angiotensin II, das die Gefäße eng stellt, und Aldosteron, das Natrium und damit Wasser im Körper hält.

Vier Wörter, vier Organe, ein Ziel. Klingt einfach, aber im Physikum wird genau an den Übergängen gefragt: Wer bildet was, wo, und warum?

Key Takeaways

  • Auslöser ist ein Mangel. Sinken Blutdruck oder Flüssigkeitsvolumen, setzen die juxtaglomerulären Zellen der Niere Renin frei.
  • Die Kaskade hat drei Schritte. Renin macht aus Angiotensinogen der Leber Angiotensin I, ACE macht daraus das aktive Angiotensin II.
  • Angiotensin II wirkt sofort. Es verengt die Gefäße, setzt ADH und Aldosteron frei und weckt Durst.
  • Aldosteron wirkt länger. Es holt Natrium zurück, Wasser folgt, Kalium geht verloren.
  • Physiologie zählt im Physikum. Im Herbst 2026 gab es 61 Physiologie-Aufgaben, gelöst im Schnitt zu nur 60,3 Prozent.

Was ist das RAAS-System?

Das RAAS-System ist ein hormoneller Regelkreis aus Renin, Angiotensin und Aldosteron, der Blutdruck und Blutvolumen stabil hält. Laut dem Lehrbuch OpenStax Anatomy and Physiology hat dieser Mechanismus großen Einfluss auf das ganze Herz-Kreislauf-System. Renin ist dabei streng genommen ein Enzym, manche Quellen führen es wegen seiner Rolle trotzdem als Hormon.

Merk dir das RAAS-System als Antwort auf eine einzige Frage: "Wie bekomme ich mehr Druck und mehr Volumen ins Gefäßsystem?"

Das RAAS-System ist die Notfallpumpe der Niere: wenig Druck rein, mehr Druck raus.

Wann wird das RAAS-System aktiviert?

Das RAAS-System wird aktiviert, wenn Blutdruck oder Extrazellulärvolumen sinken, etwa nach Blutverlust oder bei Dehydratation. Laut OpenStax reagieren dann die juxtaglomerulären Zellen in der Wand des Vas afferens und schütten Renin ins Blut aus. Zusätzlich fördern sympathische Nerven bei fallendem Druck die Reninfreisetzung.

Drei Auslöser solltest du für Altfragen parat haben:

  1. Weniger DruckDie juxtaglomerulären Zellen registrieren einen gesunkenen Blutdruck und setzen Renin frei.
  2. Weniger VolumenBei sinkendem Extrazellulärvolumen stimulieren Prostaglandine und NO aus dem juxtaglomerulären Apparat die Reninfreisetzung.
  3. Mehr SympathikusFällt der Druck, aktivieren sympathische Nerven zusätzlich die Reninfreisetzung.

Ein vierter Mitspieler sitzt direkt nebenan: die Macula densa im distalen Tubulus. Sie reguliert laut OpenStax ebenfalls die Reninfreisetzung. Wo genau dieser Tubulusabschnitt liegt, wiederholst du in Nephron lernen.

Wie funktioniert das RAAS-System Schritt für Schritt?

Das RAAS-System funktioniert als Kaskade in drei Schritten. Renin aus der Niere spaltet Angiotensinogen, das die Leber bildet, zu Angiotensin I. Das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) wandelt Angiotensin I in das aktive Angiotensin II um. Angiotensin II setzt schließlich Aldosteron aus der Nebennierenrinde frei.

StationGebildet inWas laut OpenStax passiert
AngiotensinogenLeberPlasmaprotein, zirkuliert frei im Blut
ReninNiere (juxtaglomeruläre Zellen)Enzym aus 304 Aminosäuren, spaltet Angiotensinogen zu Angiotensin I
ACELungesitzt auch auf Endothelzellen von Vas afferens und Glomerulus, macht Angiotensin I zu Angiotensin II
Angiotensin IIim Blutstarker Vasokonstriktor, setzt ADH und Aldosteron frei
AldosteronNebennierenrindefördert Natriumrückresorption und Kaliumausscheidung

Angiotensin I selbst ist biologisch noch nicht aktiv. Das ist eine beliebte Falle: Erst ACE macht aus der Vorstufe den eigentlichen Wirkstoff.

Was bewirkt Angiotensin II?

Angiotensin II ist laut OpenStax ein starker Vasokonstriktor und hebt den Blutdruck sofort an. Es verengt die Gefäße im ganzen Körper und in der Niere sowohl das Vas afferens als auch das Vas efferens. Außerdem regt es die Freisetzung von ADH und Aldosteron an und aktiviert das Durstzentrum im Hypothalamus.

Damit greift Angiotensin II an vier Stellen gleichzeitig an: Gefäße, Niere, Hormone und Verhalten. Bei Blutverlust oder Dehydratation senkt es laut OpenStax sowohl die GFR als auch die Nierendurchblutung. So verliert der Körper weniger Flüssigkeit über den Urin. Wer mehr trinkt, füllt das Volumen zusätzlich auf. Wie Druck und Volumen im Kreislauf zusammenhängen, frischst du mit den Herz-Kreislauf-Eselsbrücken auf.

Was macht Aldosteron im RAAS-System?

Aldosteron ist im RAAS-System das Hormon für die lange Strecke. Die Nebennierenrinde schüttet es laut OpenStax als Antwort auf Angiotensin II oder direkt bei erhöhtem Plasma-Kalium aus. Aldosteron fördert die Natriumrückresorption im Nephron, Wasser folgt dem Natrium, und gleichzeitig wird mehr Kalium ausgeschieden.

Weil es zwei Mineralien steuert und aus der Nebennierenrinde stammt, heißt Aldosteron Mineralokortikoid. OpenStax nennt es auch das "salzsparende Hormon". Der Unterschied zu Angiotensin II ist das Tempo: Die Gefäßverengung wirkt sofort, die Natriumrückgewinnung über Aldosteron hält den Effekt länger aufrecht.

Tipp: Verbinde Aldosteron immer mit dem Satz "Natrium rein, Kalium raus". Fragt das Physikum nach einem Elektrolyt bei zu viel oder zu wenig Aldosteron, kommst du mit diesem Satz fast immer zur richtigen Antwort.

Wer bremst das RAAS-System?

Der wichtigste Gegenspieler des RAAS-Systems sind die natriuretischen Peptide. Das atriale natriuretische Hormon aus 28 Aminosäuren entsteht laut OpenStax in den Herzvorhöfen, wenn deren Wand überdehnt wird. Es hemmt die Freisetzung von Renin, Aldosteron und ADH, steigert die GFR und lässt die Niere mehr Natrium und Wasser ausscheiden.

Dazu kommt das B-Typ natriuretische Peptid (BNP) aus 32 Aminosäuren, gebildet in den Herzkammern. Es bindet laut OpenStax mit zehnfach geringerer Affinität an seinen Rezeptor, wirkt also schwächer. Wegen seiner längeren Halbwertszeit gilt BNP als guter Marker für Herzinsuffizienz. Wie Nephrologen in der Klinik mit Niere und Blutdruck arbeiten, zeigt das Berufsporträt Was ist ein Nephrologe auf dein-medizinstudium.

Welche Medikamente greifen in das RAAS-System ein?

Am RAAS-System greifen vor allem ACE-Hemmer an. Laut OpenStax ist ACE wichtig, um den Blutdruck anzuheben, und Menschen mit hohem Blutdruck bekommen deshalb manchmal ACE-Hemmer verschrieben, um ihn zu senken. Ohne ACE entsteht weniger Angiotensin II, die Gefäße bleiben weiter, und es wird weniger Aldosteron freigesetzt.

Für das Physikum reicht dieses Prinzip: Wer die Kaskade kennt, kann jede Hemmung logisch ableiten. Die Wirkstoffgruppen selbst, ihre Endungen und weitere Eingriffe in den Regelkreis lernst du später in der Pharmakologie, etwa mit Pharmakologie lernen. Dieser Abschnitt ist Lernstoff und keine Therapieempfehlung.

Merkspruch für das RAAS-System

Die vier Bildungsorte in der richtigen Reihenfolge? Dafür reicht ein Satz.

Leo nimmt lieber Nudeln

Leber (Angiotensinogen), Niere (Renin), Lunge (ACE), Nebennierenrinde (Aldosteron). So hast du die Stationen des RAAS-Systems in der Reihenfolge, in der sie im Blut nacheinander drankommen.

Mehr Merksätze dieser Art findest du in Eselsbrücken Medizin.

So lernst du das RAAS-System fürs Physikum

Laut IMPP-Ergebnisinformation Herbst 2026 entfielen 61 von 313 Aufgaben auf die Physiologie. Die 7.385 Teilnehmenden lösten sie im Schnitt nur zu 60,3 Prozent, schwächer war nur Physik mit 47,8 Prozent. Regelkreise wie das RAAS-System sind deshalb eine der besten Stellen, um Punkte zu holen.

  1. Tag 1: Kaskade zeichnenDas RAAS-System aus dem Kopf als Pfeilkette malen, mit Organen, Enzymen und den drei Auslösern.
  2. Tag 2: Wirkungen zuordnenFür Angiotensin II, Aldosteron und das atriale natriuretische Hormon je drei Wirkungen notieren. Lücken sofort als Karteikarte anlegen.
  3. Tag 3: Fälle durchspielenBlutverlust, viel Salz, hohes Kalium: Was macht das RAAS-System jeweils? Dann Altfragen kreuzen.

Den Rahmen für alle Regelkreise baust du mit Physiologie lernen, die Abstände für die Wiederholung plant FSRS und Spaced Repetition. Was im Physikum insgesamt geprüft wird, fasst das ncrechner Lexikon zum Physikum zusammen.

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Häufige Fragen zum RAAS-System

Was ist das RAAS-System einfach erklärt?

Das RAAS-System ist eine Hormonkaskade, mit der die Niere einen sinkenden Blutdruck wieder anhebt. Renin aus der Niere startet sie, Angiotensin II verengt die Gefäße und Aldosteron sorgt dafür, dass der Körper Natrium und Wasser zurückhält. So steigen Blutvolumen und Blutdruck wieder an.

Wann wird das RAAS aktiviert?

Das RAAS wird aktiviert, wenn Blutdruck oder Flüssigkeitsvolumen sinken, zum Beispiel nach Blutverlust oder bei Dehydratation. Dann schütten die juxtaglomerulären Zellen der Niere Renin aus. Sympathische Nerven verstärken die Reninfreisetzung bei fallendem Druck zusätzlich, und auch die Macula densa reguliert sie.

Wie reguliert das RAAS den Blutdruck?

Das RAAS reguliert den Blutdruck auf zwei Wegen. Angiotensin II verengt sofort die Gefäße und hebt den Druck schnell an. Aldosteron wirkt länger: Es fördert die Natriumrückresorption in der Niere, Wasser folgt, das Blutvolumen steigt. Natriuretische Peptide aus dem Herzen bremsen den Regelkreis wieder.

Was ist eine RAAS-Blockade?

Eine RAAS-Blockade bedeutet, dass ein Medikament die Kaskade an einer Stelle unterbricht. Das bekannteste Beispiel sind ACE-Hemmer: Sie verhindern, dass aus Angiotensin I das aktive Angiotensin II entsteht. Dadurch bleiben die Gefäße weiter, es wird weniger Aldosteron frei und der Blutdruck sinkt.

Quellen